“ Neun Runden hat er bereits hinter sich…

11 Runden darf er noch, auf geht´s“! Was sich erst mal nicht besonders anhört gewinnt doch an Ausdruckskraft, wenn man erfährt, dass eine Runde 5km (Fünf Kilometer) beträgt. So war es beim 100km Lauf in Kienbaum des öfteren zu hören, doch zurück auf Anfang!

Am Freitag starteten 4 Hobbyläufer zu einem Laufausflug in Richtung Berlin. Im Bundesleistungszentrum in Kienbaum kam der Internationale 100km Lauf zur 32. Ausführung, der auch für Mannschaften, genauer gesagt Staffeln, ausgeschrieben war. 2-5 Läufer, in unserem Fall 4, teilen sich die 100km untereinander auf. Nach gut 6h Autofahrt rasch die Formalitäten erledigen, die Pastaparty aufsuchen, anschließend Quartier machen und dann husch ins Körbchen, denn um 06.30 Uhr am Samstag war Start angesetzt. Also Wecker tat um 05.00 Uhr, in die Laufklamotten friemeln, Wetter und Temperatur checken, Startnummern und Zeitmessbänder anbringen und dann ca. 1km warm traben bis zur Startlinie. Thorsten Heß, der die ersten 25km anlaufen wollte, kam sich vor wie Balsaholz unter lauter Eiche. Während die Mehrzahl der 100km Läufer in Shorts und T-Shirt am Start fröstelnd auf und ab trippelten, stand selbiger mit Mütze, Handschuhe, Jacke und langer Hose erfürchtig am Rand, und schaute auf die  ältere Dame,  um die 70 Jahre!!!!, die bereits um 05.30 Uhr gestartet war und unermüdlich bis zum Zielschluss um 18.30 Uhr ihre Runden drehte und 90km zusammen brachte. Als Thorsten Heß dann nach 2.27h für´s erste den Staffelstab an Dr. Sigrid Preß weitergab, die mit neuer PB über 15km einkam, hatte der spätere Sieger der Herren bereits 39km zurück gelegt, und sah im Gegensatz zu Thorsten Heß noch gänzlich unverbraucht aus. Als Petra Roentgen als 3 Läuferin ihre 5. Runde begann, so bei ca. 7h30 Laufzeit, kam der Sieger der Männer mit 7.29h ins Ziel!!! Jonas Heß tat etwas für den Gesamtschnitt der Staffel, als er als 4. Läufer seine 15km im Schnitt von 4,50Minuten runterspulte, und schickte dann Thorsten Heß noch einmal für 2 Runden los. Dieser musste ohne jede Chance zur Gegenwehr die Gewinnerin der Frauenwertung an sich vorbei ziehen lassen, die auf ihrer 20. Runde immer noch 2 Minuten schneller war als er bei seiner besten und in phantasitischen 8h57 finishte. Dann durfte Jonas noch einmal 10km hinter sich bringen und das Team Hohenlohe kam 45 Minuten vor dem errechneten Zeitziel an. Die Uhr blieb bei 10.14,23h stehen. Somit waren alle hoch zufrieden mit sich selbst, und voller Respekt den Läuferinnen und Läufern gegenüber die bei warmen Temperaturen bis zu 13h unterwegs waren. Für einen Läufer kam es dabei besonders bitter. Die Wettkampfregeln besagen, dass wer um 17.45 Uhr die letzte Runde nicht begonnen hat, aus dem Wettkampf genommen wird. um 17.47 Uhr erwischte es einen von Krämpfen und Erschöpfung geplagten Athleten. 95km Mühe und Plagerei, 11.15h voller Einsatz, und dann sowas. Es gab weder Pardon noch ein Murren des Athleten. Regel ist Regel, keine Diskussion, aber tröstende Worte vom Veranstalter.

Schön war, dass auch die Staffelteilnehmer ernst genommen und angefeuert wurden. Etwas unwirklich allerdings die Situation, dass man zwischendurch vom Zimmer die Läufer und Läuferinnen anfeuerte, und sich nach knapp 6h Pause wieder unter sie gesellte, während diese die ganze Zeit hindurch gelaufen, und gelaufen, auch mal gegangen, aber meistens gelaufen, und gelaufen, und gelaufen….. sind.

Bei der bescheidenen aber nett moderierten Siegerehrung ohne Sachpreise, Finishershirt etc. durfte mann staunen, wie locker und flockig die Sieger und Platzierten die Treppen herauf und herunter perlten, während man selbst doch deutlich unwilliger bei jeglicher Bewegungsäußerung war.

Fazit:  Es war faszinierend aktiver Teil an einem Ultra-Lauf zu sein, von über 60 jährigen mehrfach überrundet zu werden, und diese Stimmung hautnah mit zu bekommen.

Ach ja, der Sieger Oliver Leu, ließ es sich nicht nehmen, uns die Vorzüge eines 24h Laufes zu schildern, an dem auch Staffeln mit bis zu 10 Mitgliedern……..

Laufen als Erlebnis! Wahnsinn!

 

Thorsten Heß

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